Klein+Garten = Haus = Kleingartenhaus

Wohnhaus für 2 Lehrer

Die Grundstücksentscheidung für einen dicht bepflanzten Garten definierte auch die Entwurfsgrundlage: die Verschränkung des Wohnens drinnen und draußen. Die Natur ganzjährig zu erleben, sitzen an der Grenze von Innen und Aussen, Erdäpfelschälen im Freien formulierten die Bauherrn als ihr Anliegen. Die 50m2 Bruttogrundfläche, welche weniger als 40m2 Nutzfläche erwarten ließen, legten ein Querdenken des Raums nahe: das Erdgeschoß wurde rundum raumhoch verglast und die emotional wichtigen Aussenwände wurden durch die 2m entfernten Gartenmauern gebildet. Damit konnten einerseits die fühlbare Raumgrenze hinausgeschoben werden, andererseits auch der Wohnraum als Teil des Gartens verstanden und gestaltet werden. Durch die dünne Dreischeibenisolierverglasung ließen sich so zusätzlich rund 7m2 Nutzfläche gewinnen.

Um dieses Wohnen im Freien zu unterstreichen, wurden der Fußboden und die Deckenuntersicht von innen nach außen durchgezogen. Polygonalplatten aus Porphyr wurden, auch als Referenz an die vorige Wegpflasterung, wieder eingesetzt. Die Sichtbetondecke wurde mit einem Isokorb wärmetechnisch über der Hebeschiebeverglasung getrennt.

Die neuen Außenmauern sind ins Beleuchtungskonzept miteinbezogen, um einen angenehmen Hintergrund auch bei Nacht abzugeben. Die Beschränkung des Gebäudes auf 5,5m Höhe läßt nur geringe Raumhöhen zu. Diese wurden bei kleinen Raumabmessungen proportional vernünftig umgesetzt, jedoch im Bereich des Essplatzes auf 5m Lichte erhöht. Während sich das Hinausschieben der Aussenwand im Studierzimmer des Untergeschoßes wiederholt, zeigt das Obergeschoß ein inverses Entwurfs-schema: eine massive Außenwand mit vielen kleinen Öffnungen, die so Geborgenheit und Intimität vermitteln.Was sagen die Bauherren?

„Ein Haus, ein Grundstück in der Peripherie, das haben wir lange gesucht und plötzlich war da ein 200qm Grundstück in einer Kleingartenanlage an der alten Donau. Ein schöner Nussbaum stand dort, Büsche, und die Idee, da zu bauen erschien zunächst wie ein brutaler Eingriff. Lassen die vielen, strengen Auflagen im Kleingartenbereich ein großzügiges Wohnen zu? Wäre das möglich, und wie? Mit einem leistbaren Fertighaus oder doch das Wagnis mit einem Architekten eingehen?

Zwei Architekten aus dem Bekanntenkreis waren bald gefunden. Die Planungsphase begann! Die Architekten sind sehr auf unsere persönlichen Bedürfnisse und Vorstellungen eingegangen, wir haben im Laufe des Meinungsfindungsprozesses, während der vielen Treffen zu ganz neuen Sichtweisen in Puncto zeitgemäßem Wohnen gelangen können Nach Wochen der Vorgespräche konfrontierten uns die Architekten mit dem Entwurf. Wir waren überrascht, ja konsterniert. Sind diese jungen Architekten plötzlich vielleicht einer lebensfernen, rein ästhetischen, weltfremden Idee verfallen?

Ihre Ideen waren radikal, aber auch schlüssig. Das Haus sollte in der Mitte des Grundstücks thronen, unten herum nur Glas, ein weitläufiges Tiefgeschoß. Mauern zu den Nachbarn. Ängste und Befürchtungen zur Bewohnbarkeit stellten sich ein. Bei allen Fragen und Befürchtungen leisteten die Architekten aber gute Überzeugungsarbeit, so dass wir dann doch großes Vertrauen hatten. Jetzt wohnen wir in der Großstadt und doch im Grünen, in einem Haus, das uns groß erscheint, das viele Perspektiven bietet, das uns das unterschiedliche Licht im Laufe des Tages und der Jahreszeiten erleben lässt. Wir fühlen uns nie eingeengt und haben doch genug Privatsphäre. Wir sind froh, dass wir uns auf dieses ungewöhnliche Projekt eingelassen haben und sind rundum happy!“

BRA im Web:

OPEN HOUSE WIEN 

ARCHITECTUUL

Projektverantwortliche:

Markus Taxer

Bernd LeopoldProjektdaten:

Grundstücksgröße: 198,5m2

Bebaute Fläche: 49,5m2

Gebäudehöhe: 5,50m

Maximale Raumhöhe: 5,00m

Nettonutzflächen inkl. Untergeschoß: 120,92m2

Projektverlauf:

Planungsbeginn: September 2011

Baubeginn: September 2012

Fertigstellung: Juni 2013

Firmen:

Dasch Bau Gmbh, Schwechat

Fenster, Portalbau, Innentüren, Sonnenschutz: Lüftenegger Gmbh, Tamsweg

Naturstein & Fliesen: Meixner Steinbau

Möbel: Tischlerei Knapp, St. Katrein

Metall: Katovics, Vienna

Beleuchtung: Lichtpartner, Albin Beichler GmbH, Graz

Statik:

Kraftfluss Bauengineering KG

Fotos:

FILMKRAFT

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